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Droht die soziale Arbeit zu scheitern?

Führungskräfte der AWO Braunschweig diskutierten Zukunft sozialer Dienstleistungen bei Klausurtagung in Bad Harzburg

Wie kann soziale Arbeit auch unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen wirksam bleiben? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Führungskräfte des Geschäftsfelds Familie und Soziale Dienste des AWO-Bezirksverbands Braunschweig während einer zweitägigen Klausurtagung in Bad Harzburg. Gemeinsam mit dem Vorstand wurden aktuelle Herausforderungen der Sozialwirtschaft, interne Entwicklungsprozesse und zukünftige Handlungsstrategien intensiv diskutiert.

 

Unter dem Leitgedanken „Vom Reagieren zum Gestalten – Führung in der Personalverantwortung“ standen nicht allein betriebswirtschaftliche Kennzahlen im Fokus. Vielmehr ging es darum, wie die Organisation noch besser auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden eingehen kann und welche strukturellen Veränderungen dafür erforderlich sind. In Workshops entwickelten die Teilnehmenden konkrete Ideen zur Optimierung interner Prozesse und zur Weiterentwicklung einer modernen Führungskultur.

„Die Sozialwirtschaft steht heute zwischen Wirkung, Belastung und Realität. Deshalb müssen wir die Frage stellen, woran die soziale Arbeit aktuell zu scheitern droht“, sagt Geschäftsfeldleiter Falk Hensel.

 

Für besondere Impulse sorgten zwei externe Gäste: Prof. Dr. Timo Schreiner von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften sowie Lara Isermeyer, Vorständin für Jugend, Soziales und Gesundheit des Landkreises Helmstedt. Nach einem bewusst provokanten Impulsvortrag des Kinder- und Jugendhilfeexperten Prof. Dr. Schreiner diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des AWO-Bezirksverbands Braunschweig, Rifat Fersahoglu-Weber, in einem offenen Fish-Bowl-Format.

Die Führungskräfte nutzten die Gelegenheit für einen intensiven Austausch mit Vertreter*innen aus Wohlfahrtspflege, Wissenschaft und kommunaler Verwaltung. Dabei wurden auch kritische Fragen zur Zukunft sozialer Dienstleistungen gestellt.

 

„Eine der zentralen Erkenntnisse der Diskussion war, dass die sogenannten kommunalen Freiwilligen Leistungen häufig falsch bezeichnet werden. Tatsächlich handelt es sich um sinnvolle und vielfach unverzichtbare soziale Dienstleistungen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken“, fasste Falk Hensel zusammen. Zu diesen Angeboten zählen beispielsweise Beratungsleistungen, Quartiersmanagement, Ehrenamtskoordination oder Migrationsberatung. Viele dieser Leistungen werden von Kommunen kofinanziert und zusätzlich durch die Träger der Wohlfahrtspflege selbst mitfinanziert. Angesichts angespannter öffentlicher Haushalte geraten sie jedoch zunehmend unter Druck.

Die Diskussionsteilnehmenden waren sich weitgehend einig: Kürzungen bei präventiven und unterstützenden Angeboten wären ein Fehler. Vielmehr müsse deren gesellschaftlicher Nutzen noch stärker sichtbar gemacht werden. Prävention spare langfristig Kosten, stärke Teilhabe und entlaste andere Hilfesysteme.

 

Die Klausurtagung bot Raum für neue Perspektiven, vertiefte fachliche Erkenntnisse und die Entwicklung konkreter Aufgaben für die kommenden Monate. Das Geschäftsfeld Familie und Soziale Dienste wird seine Arbeit fortsetzen, um die Bedeutung sozialer Dienstleistungen sichtbar zu machen und notwendige Rahmenbedingungen für wirksame Unterstützung einzufordern.

Klausurtagung Familie und Soziale Dienste 2026
Führungskräfte des Geschäftsfelds Familie und Soziale Dienste des AWO-Bezirksverbands Braunschweig und Gäste während einer zweitägigen Klausurtagung in Bad Harzburg, u. a. Lara Isermeyer, Vorständin für Soziales im Landkreis Helmstedt (vorne 3.v.l.) und Prof. Dr. Timo Schreiner von der Ostfalia Hochschule (vorne 2.v.r.) gemeinsam mit Vorstandsvorsitzenden Rifat Fersahoglu-Weber (vorne 3.v.r.), dem stellv. Vorstandsvorsitzenden Maic Lindner (2.v.l.) und Geschäftsfeldleiter Falk Hensel (vorne rechts).