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Demokratie leben – was bedeuten die Kürzungen des Bundes konkret?
Projekte und Initiativen, aber insbesondere Menschen, die sich jeden Tag für unsere Demokratie einsetzen, sind vor allem in Zeiten, in denen diese von rechten Kräften massiv bedroht wird, ein unerlässlicher Einsatz für unsere Zukunft und die unseres Landes. Doch Familienministerin Karin Prien (CDU) möchte nun zahlreichen Projekten aus dem Förderprogramm „Demokratie leben“ die Mittel streichen. „Ein unerklärlicher Schritt, der uns fassungslos zurücklässt“, erklärt Falk Hensel, Geschäftsfeldleiter für Familie & Soziale Dienste beim AWO-Bezirksverband Braunschweig e.V.
Die AWO-Freiwilligenagentur, für die Falk Hensel verantwortlich zeichnet, fungiert als Koordinierungs- und Fachstelle für die Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Wolfenbüttel. Diese gibt es seit 2016. Sie wird über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ finanziert und vom Landkreis Wolfenbüttel und der AWO-Freiwilligenagentur umgesetzt. „Die Freiwilligenagentur arbeitet hierfür eng mit der regionalen Zivilgesellschaft zusammen. Sie vernetzt, berät und begleitet Menschen und Initiativen, die sich für ein vielfältiges und respektvolles Zusammenleben einsetzen“, erklärt Hensel die Relevanz.
„Im Mittelpunkt stehen Projekte in den Bereichen Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention. Ob neue Beteiligungsformate, kreative Aktionen oder Bildungsangebote – wir unterstützen Ideen, die demokratische Werte stärken und Selbstwirksamkeit erfahrbar machen“, so Hensel weiter. „Die angekündigten und zum Teil schon umgesetzten Änderungen im Bundesprogramm drohen, die ehrenamtliche Arbeit der lokalen Zivilgesellschaft zu behindern oder gar unmöglich zu machen. Sie bedeuten schwere Einschnitte in die regionale Demokratieförderung, Vielfaltgestaltung und Extremismusprävention.“
„Die letzten Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, wie stark die Demokratie ist, wenn viele Menschen und Initiativen gemeinsam daran arbeiten“, weiß auch Axel Klingenberg, der seit vielen Jahren in dem Projekt arbeitet. Umso gravierender wären Einschnitte beziehungsweise die Einstellung von Förderprogrammen. „Allein im Jahr 2025 waren die Netzwerkpartner in elf geförderten Projekten vielfältig engagiert. Ob Empowerment-Workshops für Kinder und Jugendliche, kulturelle Formate, Demokratiefeste oder Diskussionsreihen – die Projekte erreichten mehr als 3.200 Menschen, davon über 2.600 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie gut 700 Teilnehmende mit Migrationshintergrund. Demokratie wurde auf diese Weise erlebbar, kreativ und niedrigschwellig vermittelt.“ Ein besonderer Schwerpunkt ist die Beteiligung junger Menschen: Ein eigenständig organisiertes Jugendforum ermöglicht es Jugendlichen, ihre Themen einzubringen und eigene Projekte umzusetzen. So gestalten sie Demokratie aktiv mit.
All das steht nun auf der Kippe. „Die Ungewissheit, welche Projekte keine Anschlussfinanzierung erhalten, lässt große Ratlosigkeit zurück und kann nicht das sein, was unsere Bundesregierung wollen kann. Wir brauchen eine wehrhafte Zivilgesellschaft, die sich für unsere Demokratie und unsere Grundwerte einsetzt. Dafür ist das Projekt ’Demokratie leben‘ unerlässlich“, betont Falk Hensel. „Wir brauchen eine verlässliche Förderung und eine Politik, die sich für unsere Demokratie einsetzt.“
Aktivitäten im Jahr 2025
2025 war ein bewegtes und richtungsweisendes Jahr für die Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Wolfenbüttel. Ein besonderer Meilenstein war die strukturelle Neuausrichtung der Partnerschaft. Am 25. November wurden der bisherige Begleitausschuss aufgelöst und mit dem Wolfenbütteler Bündnis für Demokratie und Vielfalt eine neue, zukunftsorientierte Struktur geschaffen. Workshops und intensive Diskussionen begleiteten diesen Prozess und setzten ein starkes Zeichen für gelebte Beteiligung und gemeinsame Verantwortung für die Zukunft unserer Demokratie.
Auch jenseits der Projektförderung war das Jahr geprägt von intensiver Bildungs- und Gedenkarbeit. Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag der Befreiung Wolfenbüttels vom Nationalsozialismus, historische Rundgänge, Fach- und Austauschformate in den Themenbereichen Extremismusprävention, Demokratieförderung und Vielfaltgestaltung sowie das regelmäßig stattfindende Demokratiecafé im Mitgestaltungspunkt als öffentliche Anlaufstelle schufen Räume für Dialog, Erinnerung und kritische Auseinandersetzung. Ein besonderer Höhepunkt war die Ausstellung „Vom Schatten ins Licht“, die mit rund 500 Besucher*innen die erfolgreichste im Wissensort Wolfenbüttel (WOW) im Jahr 2025 war.
Auch das Jugendforum entwickelte sich 2025 weiter: Junge Menschen brachten ihre Ideen ein, trafen sich regelmäßig und machten mit kreativen Social-Media-Clips zu Alltagsrassismus auf sich aufmerksam – mit rund 25.000 Aufrufen. Jugendbeteiligung wurde damit nicht nur gestärkt, sondern auch sichtbar.
